Welle, Dünung und Windsee: was die Wellenhöhe beim Segeln bedeutet
Stand 07.10.2026 · Lesezeit 5 min
Kurz gesagt: Die Wellenhöhe der Vorhersage ist das Mittel des höchsten Drittels aus Windsee und Dünung; wie unangenehm sie ist, entscheiden Periode, Steilheit und Richtung zum Kurs.
Die Wellenhöhe in Vorhersagen ist die signifikante Wellenhöhe: das Mittel des höchsten Drittels der Wellen, ungefähr das, was ein Beobachter schätzt. Sie fasst Windsee und Dünung zusammen. Einzelne Wellen werden bis etwa doppelt so hoch. Wie unangenehm die See ist, hängt außerdem von Periode, Steilheit und Richtung zum Kurs ab.
Was bedeutet signifikante Wellenhöhe?
Die signifikante Wellenhöhe (Hs) ist der Mittelwert des höchsten Drittels aller Wellen, gemessen vom Tal bis zum Kamm. Sie liegt nahe an dem, was erfahrene Beobachter als Wellenhöhe angeben.
Statistisch ist etwa jede siebte Welle höher als Hs, etwa jede hundertste anderthalbmal so hoch und etwa jede dreitausendste doppelt so hoch. Bei 6 s Periode laufen 3.000 Wellen in fünf Stunden durch. Auf einem Tagestörn mit 2 m Hs rechnest du also mit einzelnen Wellen um 4 m.
Was ist der Unterschied zwischen Windsee und Dünung?
Windsee entsteht durch den Wind vor Ort, ist kurz, steil und läuft mit dem Wind. Dünung ist Seegang, der anderswo entstanden ist oder den Wind überdauert hat: lange, gleichmäßige Wellen mit großer Periode, oft aus einer anderen Richtung als der Wind.
Wie hoch die Windsee wird, hängt von Windstärke, Wirkdauer und Wirkstrecke (Fetch) ab. Auf der Ostsee und auf Binnenseen bleibt sie niedriger als auf dem Atlantik, ist dafür aber kurz und steil. Windsee und Dünung addieren sich nicht einfach: die gesamte Höhe ist etwa die Wurzel aus der Summe ihrer Quadrate, 1 m Windsee und 1 m Dünung ergeben rund 1,4 m.
Warum sind Periode und Steilheit so wichtig?
Die Periode ist die Zeit zwischen zwei Wellenkämmen. Je kürzer sie bei gleicher Höhe ist, desto kürzer und steiler sind die Wellen und desto härter arbeitet das Boot.
Im tiefen Wasser ist die Wellenlänge in Metern etwa das 1,56-Fache der Periode in Sekunden zum Quadrat. Die Steilheit ist Höhe durch Länge: ab etwa 1:20 gilt die See als steil, ab etwa 1:14 brechen die Kämme häufig, spätestens bei etwa 1:7 bricht jede Welle. 1,5 m Welle mit 4 s Periode ist rund 25 m lang und mit 1:17 steil; dieselbe Höhe mit 10 s ist 156 m lang und hebt das Boot nur sanft.
| Periode | Wellenlänge im tiefen Wasser | Typisch für |
|---|---|---|
| 2 bis 4 s | etwa 6 bis 25 m | Windsee auf Binnenseen und der Ostsee |
| 5 bis 7 s | etwa 40 bis 75 m | Windsee auf Nordsee und Mittelmeer |
| 8 bis 10 s | etwa 100 bis 155 m | alte See, Dünung an der Küste |
| 11 bis 16 s | etwa 190 bis 400 m | Dünung vom offenen Ozean |
Ab welcher Wellenhöhe wird Segeln unangenehm?
Als Richtwert für eine Fahrtenyacht von 30 bis 36 Fuß: bis 1 m meist unproblematisch, 1 bis 2 m Windsee spürbar und anstrengend, vor allem kurz und gegenan, über 2 bis 2,5 m für viele Crews zu viel. Lange Dünung von 2 m mit 10 s Periode ist auf tiefem Wasser dagegen oft harmlos.
Seewetterberichte beschreiben den Seegang auch in Worten. Die Seegangsskala der WMO ordnet sie der signifikanten Wellenhöhe zu:
| Seegang | Bezeichnung | Signifikante Wellenhöhe |
|---|---|---|
| 0 | spiegelglatte See | 0 m |
| 1 | ruhige, gekräuselte See | bis 0,1 m |
| 2 | schwach bewegte See | 0,1 bis 0,5 m |
| 3 | leicht bewegte See | 0,5 bis 1,25 m |
| 4 | mäßig bewegte See | 1,25 bis 2,5 m |
| 5 | grobe See | 2,5 bis 4 m |
| 6 | sehr grobe See | 4 bis 6 m |
| 7 | hohe See | 6 bis 9 m |
| 8 | sehr hohe See | 9 bis 14 m |
| 9 | außergewöhnlich schwere See | über 14 m |
Wie wirkt die Wellenrichtung auf Kurs und Komfort?
Welle von vorn lässt das Boot stampfen und einsetzen, Welle von der Seite lässt es rollen, Welle von achtern lässt es gieren bis zum Querschlagen. Oft macht schon eine Kursänderung um 10 bis 20 Grad die Bewegung deutlich ruhiger.
- Von vorn: Stampfen und harte Schläge in kurzer See, viel Fahrtverlust, besonders bei Wellenlängen um die ein- bis zweifache Bootslänge.
- Schräg von vorn: Stampfen und Rollen zugleich, die typische Korkenzieherbewegung.
- Von der Seite: Rollen; brechende Kämme quer zum Boot sind die gefährlichste Lage.
- Schräg von achtern und von achtern: das Boot surft und giert, will querschlagen, und die Gefahr einer Patenthalse steigt.
Was ist Kreuzsee?
Kreuzsee entsteht, wenn zwei Wellensysteme aus verschiedenen Richtungen aufeinandertreffen, etwa Dünung und eine neue Windsee nach einem Winddreher oder Wellen, die eine Steilküste zurückwirft. Die See wird unregelmäßig, einzelne Wellen türmen sich auf.
Typisch ist sie nach einem Frontdurchgang, um Kaps und vor Steilküsten. Sie ermüdet Crew und Rigg, auch wenn die Wellenhöhe moderat ist.
Was passiert im flachen Wasser und bei Wind gegen Strom?
Wird das Wasser flacher als etwa die halbe Wellenlänge, werden Wellen langsamer, kürzer und steiler; bei einer Tiefe von etwa dem 1,3-Fachen der Wellenhöhe brechen sie. Läuft Strom gegen die Welle, staucht er sie: sie wird kürzer, höher und bricht früher.
Gefährlich sind deshalb Barren vor Flussmündungen und Seegatts, Bänke bei auflandigem Wind und Engstellen mit Wind gegen Strom. Plane sie für Stillwasser oder mitlaufenden Strom, siehe Gezeiten und Strom.
Wie zeigt Sailseer Wellen und Seegang?
Sailseer zeigt Wellen als Flächenkarte aus den Seegangsmodellen des DWD (EWAM für Europa, stündlich bis 78 Stunden, sonst GWAM): Wellenhöhe, Dünung, Windsee, Periode und Laufrichtung. Für jede Etappe bewertet Sailseer den Komfort auf deinem Kurs aus Einfall der Welle, Wellenlänge zur Bootslänge, Steilheit und Kreuzsee in vier Stufen von ruhig bis ruppig und prüft die Welle gegen die Grenze deines Boots (Vorgabe für 30 bis 36 Fuß: 2 m, einstellbar). Wellenkarte öffnen, passende Tage findest du mit dem Ratgeber Wetterfenster. Enge Buchten löst kein Modell auf; Seewetterbericht und der eigene Blick aufs Wasser gehen vor.
Häufige Fragen
Was bedeutet signifikante Wellenhöhe?
Sie ist der Mittelwert des höchsten Drittels der Wellen und entspricht ungefähr dem, was ein Beobachter schätzt. Einzelne Wellen können etwa doppelt so hoch sein.
Was ist der Unterschied zwischen Dünung und Windsee?
Windsee macht der Wind vor Ort: kurz, steil, in Windrichtung. Dünung ist älterer oder fern entstandener Seegang mit langer Periode, der auch ohne Wind und aus anderer Richtung läuft.
Ab welcher Wellenhöhe wird Segeln unangenehm?
Für eine Fahrtenyacht von 30 bis 36 Fuß wird kurze Windsee ab etwa 1 bis 1,5 m gegenan anstrengend, über 2 bis 2,5 m für viele Crews zu viel. Lange Dünung derselben Höhe ist deutlich angenehmer; entscheidend sind Periode und Richtung.
Warum ist die Welle auf der Ostsee so unangenehm?
Die Ostsee ist flach und hat kurze Wirkstrecken, deshalb ist die Windsee kurz und steil, oft mit 3 bis 5 s Periode. 1,5 m mit 4 s Periode sind steiler als 2,5 m Atlantikdünung mit 10 s.
Was ist Kreuzsee?
Zwei Wellensysteme aus verschiedenen Richtungen überlagern sich, etwa Dünung und eine neue Windsee nach einem Winddreher. Die See wird unregelmäßig und einzelne Wellen türmen sich auf.
Wie hoch ist die höchste Welle bei 2 m Wellenhöhe?
Bei 2 m signifikanter Wellenhöhe sind über einige Stunden einzelne Wellen um 4 m zu erwarten, etwa jede dreitausendste Welle. Plane deshalb mit Reserve.