Mistral, Bora, Meltemi: die Lokalwinde des Mittelmeers für Segler
Stand 07.10.2026 · Lesezeit 4 min
Kurz gesagt: Zwölf Lokalwinde von Gibraltar bis zur Ägäis: wo sie wehen, aus welcher Richtung sie kommen und warum ein Name mehr sagt als eine Windstärke.
Im Mittelmeer tragen die starken Winde Namen, und das hat einen Grund: Ein Name sagt mehr als eine Zahl. Wer das Revier nicht kennt, liest aus „NW 25 kn“ nicht heraus, ob der Wind tagelang weht, in Böen von den Bergen fällt oder in einer Meerenge zur Düse wird. Hier sind die zwölf Lokalwinde, die Sailseer in der Vorhersage erkennt, nach Revieren geordnet.
Adria
Bora
Kalter Fallwind meist aus Nordost, der in Böen von den Bergen der Ostküste fällt und oft plötzlich einsetzt. Die Böen sind häufig doppelt so stark wie der Mittelwind und stärker, als die Modelle zeigen. Am heftigsten weht sie unter der Küste bei Triest und im Kvarner, an der italienischen Küste baut sie hohe See auf. Mehr zur Bora.
Jugo
Der Scirocco der Adria aus Südost, feucht und diesig, oft mit Regen und schlechter Sicht. Er baut über die ganze Länge der Adria langsam hohe, lange See auf und drückt Wasser in die nördliche Adria bis zum Hochwasser in Venedig. Mehr zum Jugo.
Westliches Mittelmeer
Tramontana
Kalter, trockener Wind aus Nordwest bis Nord aus der Pyrenäenlücke, am stärksten am Cap de Creus und im Golf von Roses. Von der Küste weg nimmt er schnell zu, die See baut sich rasch auf. Mehr zur Tramontana.
Mistral
Kalter, trockener Fallwind aus dem Rhônetal, meist aus Nordwest bis Nord, bei klarer Sicht. Er bläst oft mehrere Tage, die Böen liegen deutlich über dem Mittelwind. Unter der Küste ist es noch ruhig, nach Süden auf See wachsen Wind und Welle schnell. Mehr zum Mistral.
Maestrale
Der Mistral, wenn er Korsika und Sardinien erreicht, meist aus Nordwest. In der Straße von Bonifacio wird er düsenartig verstärkt, an den Westküsten steht hohe, steile See. Mehr zum Maestrale.
Tramontana der Balearen
Nordwind, oft ein Ausläufer von Mistral und Tramontana. An der Nordküste von Mallorca und Menorca läuft hohe See, Buchten nach Norden werden unhaltbar, Schutz bieten die Südküsten. Mehr zur Tramontana der Balearen.
Zentrales Mittelmeer
Libeccio
Südwest mit langem Anlauf über das offene Meer: hohe See an der ligurischen und toskanischen Küste und an Westkorsika. Häfen mit der Einfahrt nach Südwest werden schwierig. Mehr zum Libeccio.
Gregale
Nordost aus dem Ionischen Meer, der hohe See aufbaut. Gefürchtet ist er in Häfen und Buchten, die nach Nordost offen sind, etwa auf Malta und an der Ostküste Siziliens. Mehr zum Gregale.
Scirocco
Warmer Südost aus der Sahara, über dem Meer feucht und diesig, oft mit Staub und schlechter Sicht. Hohe See steht an den Süd- und Ostküsten, vom Tyrrhenischen bis ins Ionische Meer. Mehr zum Scirocco.
Straße von Gibraltar und Alborán-See
Levante
Ostwind, in der Straße von Gibraltar düsenartig verstärkt: Bei Tarifa weht oft Bft 7 bis 8, während östlich davon mäßiger Wind herrscht. Die feuchte Luft bringt tiefe Wolken über dem Felsen, gegen den nach Osten setzenden Strom steht kurze, steile See. Mehr zum Levante.
Poniente
Westwind, in der Straße von Gibraltar ebenfalls verstärkt und in der Alborán-See oft über mehrere Tage. Mehr zum Poniente.
Ägäis
Meltemi
Sommerlicher Nordwind der Ägäis bei klarem Himmel, von Mai bis September, am stärksten am Nachmittag und oft über Tage. Hinter hohen Inseln gibt es Fallböen, zwischen den Inseln Düsen und kurze, steile See. Mehr zum Meltemi.
So erkennt Sailseer die Lokalwinde
Die Wettermodelle rechnen diese Winde mit, aber ohne Namen. Sailseer prüft deshalb für jede Etappe im Mittelmeer, ob ihre Mitte im groben Gebiet eines Windes liegt, und legt die Konsensstunden der Modelle neben seinen Richtungssektor und seine Schwelle. Erreicht der Median der Modelle in mindestens einer Stunde aus dem passenden Sektor die Schwelle (je nach Wind 15 bis 18 kn), nennt Sailseer den Wind beim Namen. Den Meltemi zählt es nur von Mai bis September.
In der Empfehlung zur Route steht der Name dann in der Überschrift, etwa „Bora beachten“, dazu ein Befund mit Richtung, Stärke und dem, was der Wind für dich bedeutet. Die Bewertung der Abfahrt sinkt, ab 25 kn Mittelwind deutlicher. Die Punktanalyse ergänzt einen Satz wie „Bora-Lage (ONO bis 26 kn)“. Auf Binnenseen nennt Sailseer keinen Lokalwind des Meeres. Jede Windseite zeigt außerdem die Länder und Häfen im Gebiet des Windes.
Was das für deine Planung heißt
- Schau bei Bora, Mistral und Tramontana auf die Böen, nicht nur auf den Mittelwind, und reffe früh.
- Prüfe Hafen und Ankerbucht auf die Richtung: Gregale macht nach Nordost offene Häfen schwierig, Libeccio solche nach Südwest.
- Rechne beim Meltemi mit dem stärksten Wind am Nachmittag und lege lange Schläge in den Morgen.
- Hohe, lange See nach Jugo oder Scirocco läuft auch dann noch, wenn der Wind schon nachlässt.
Die Texte beschreiben die typische Lage, sie sind kein Warndienst. Amtlich sind der Seewetterbericht und die Warnungen des Landes, etwa von Météo-France, dem kroatischen DHMZ oder dem griechischen HNMS; Sailseer zeigt beide für deine Route an. Wie du daraus ein gutes Zeitfenster machst, steht im Ratgeber Wetterfenster, mehr zu Fallböen im Ratgeber Böen und Gewitter. Planen kannst du direkt auf der Karte.
Häufige Fragen
Wann weht der Meltemi?
Der Meltemi ist der Sommerwind der Ägäis, typisch von Mai bis September; Sailseer erkennt ihn nur in diesen Monaten. Er weht bei klarem Himmel aus Nord, am stärksten am Nachmittag und oft über mehrere Tage.
Was ist der Unterschied zwischen Bora und Jugo?
Die Bora kommt aus Nordost, fällt in heftigen Böen von den Bergen und setzt oft plötzlich ein. Der Jugo kommt aus Südost, ist feucht und diesig und baut über die ganze Adria langsam hohe, lange See auf.
Sind Mistral und Maestrale derselbe Wind?
Im Kern ja: Maestrale heißt der Mistral, wenn er Korsika und Sardinien erreicht. Sailseer führt beide getrennt, weil er sich dort in der Straße von Bonifacio düsenartig verstärkt und an den Westküsten hohe, steile See macht.
Warum sind die Böen der Bora oft stärker als vorhergesagt?
Die Bora fällt als Fallwind von den Bergen der Ostküste, ihre Böen sind häufig doppelt so stark wie der Mittelwind und stärker, als die Modelle zeigen. Achte deshalb auf die Böen und auf die amtlichen Warnungen, nicht nur auf den Mittelwind.
Warnt Sailseer vor Lokalwinden?
Sailseer erkennt die Lage in der Vorhersage, nennt den Wind in der Empfehlung beim Namen und erklärt, was er bedeutet. Das ist kein Warndienst: Amtlich bleiben der Seewetterbericht und die Warnungen des Landes, die Sailseer für deine Route mit anzeigt.