Sailseer

Gegen den Wind segeln: Kreuzschläge richtig planen

Stand 07.10.2026 · Lesezeit 5 min

Törn planen

Kurz gesagt: Gegenan entscheidet nicht die Distanz, sondern der Winkel zum Wind. Hier steht, wie du Kreuzschläge realistisch planst und was Sailseer dabei rechnet.

Warum gegenan alles länger dauert

Kein Segelboot fährt direkt gegen den Wind. Eine Fahrtenyacht segelt hoch am Wind meist 40 bis 50 Grad zum wahren Wind. Diesen kleinsten Winkel nennt man die Höhe am Wind. Der Wendewinkel, also der Winkel zwischen den Kursen auf Steuerbord- und Backbordbug, ist das Doppelte: bei 45 Grad Höhe wendest du um 90 Grad.

Liegt das Ziel genau im Wind und segelst du 45 Grad zum Wind, ist der gesegelte Weg rund 1,4-mal so lang wie die Luftlinie (1 geteilt durch den Kosinus von 45 Grad). Bei 50 Grad ist es schon gut 1,5-mal. Dazu kommt, dass ein Boot hoch am Wind langsamer läuft als mit halbem Wind, und jede Wende kostet Fahrt.

Abdrift: Kurs durchs Wasser ist nicht Kurs über Grund

Hoch am Wind schiebt der Wind das Boot seitlich nach Lee. Diese Abdrift beträgt bei einer Fahrtenyacht ein paar Grad, bei wenig Fahrt, kurzer See oder flachem Kiel mehr. Dazu kommt: wer ganz hart an der Höhe segelt, kneift und verliert Fahrt, deshalb fällt man in der Praxis ein paar Grad ab.

In Sailseer stecken beide Effekte im Wert Abdrift: die Schläge liegen auf Höhe plus Abdrift zum wahren Wind. Die Vorgabe hängt vom Bootstyp ab (klein 10, mittel 7, groß 5 Grad).

VMG: wie schnell du dem Ziel näher kommst

Beim Kreuzen zählt nicht die Fahrt durchs Wasser, sondern die Fahrt Richtung Ziel, die VMG (Velocity Made Good). Sie ist die Fahrt mal dem Kosinus des Winkels zwischen Kurs und Zielrichtung. Ein Boot, das 45 Grad zum Wind 5 kn läuft, kommt mit rund 3,5 kn gegen den Wind voran. Etwas tiefer und dafür schneller kann mehr VMG bringen als hart an der Höhe; wo das Optimum liegt, zeigt das Polardiagramm.

Wie viele Wenden, wie lange Schläge

Rechnerisch ist der Weg gleich, ob zwei lange oder zwanzig kurze Schläge. Trotzdem gibt es Unterschiede:

Strom auf den Schlägen

Läuft der Strom mit dir gegen den Wind, kommst du über Grund gut voran, aber Wind gegen Strom baut eine kurze, steile See auf. Läuft er gegen dich, kann er die VMG ganz auffressen. Oft lohnt es, die Abfahrt so zu legen, dass der Strom kentert, bevor die Kreuz beginnt. Mehr dazu im Ratgeber Tide und Tidenstrom.

Komfort auf der Kreuz

Gegenan läuft die See von vorn ein: ist eine Welle so lang wie das Boot bis gut doppelt so lang, stampft es und setzt ein, kurze See schlägt. Sailseer bewertet je Etappe in vier Stufen von ruhig bis ruppig, wie die See auf dem Kurs läuft.

So plant Sailseer Kreuzschläge

Sailseer rechnet gegenan nicht mit einem pauschalen Aufschlag, sondern legt echte Schläge:

  1. Die Route bekommt Wegpunkte: Start und Ziel der Etappe und die deutlichen Ecken dazwischen (ab 10 Grad Knick und 2 sm Abstand).
  2. Für jedes Paar von Wegpunkten zählt der Wind der ersten Stunde an dem Wegpunkt, an dem das Boot gerade ist. Liegt der nächste Wegpunkt spitzer am Wind als die Höhe deines Boots, wird gekreuzt, sonst fährt das Boot die Route selbst.
  3. Die Schläge liegen auf festen Kursen (Höhe plus Abdrift zum Wind) mit möglichst wenigen Wenden in einem Band um die Gerade zum nächsten Wegpunkt: 20 Prozent der Distanz, 0,5 bis 2 sm je Seite. Jeder Schlag ist mindestens 0,5 sm lang, kürzer nur, wo das Wasser nichts anderes hergibt, etwa an einer Hafenausfahrt.
  4. Kein Schlag führt über Land, über zu flaches Wasser für deinen Tiefgang oder durch ein Sperr-, Warn- oder Schutzgebiet, das die Etappe nicht ohnehin quert. Im Verkehrstrennungsgebiet liegt keine Wende.
  5. Die Zeit kommt aus dem Polardiagramm auf dem gesegelten Winkel, mit Wind je Ort und Stunde, Tidenstrom und Wendeverlust. Gegenan läuft nie der Motor.

Findet sich im Wasser kein Weg für Schläge, rechnet Sailseer mit der VMG unter Segeln und nennt den Grund. Die Schläge gibt es als GPX. Wer motoren will, schaltet mit „Gegenan“ auf die direkte Route um. Probier es auf der Karte mit deinem Boot aus.

Kreuzhilfe im Fahrtmodus

Unterwegs rechnet die Kreuzhilfe im Fahrtmodus dieselben Schläge ab der Position deines Boots: Bug, Kurs und nächste Wende bis zum nächsten Ziel auf der Route. Sie rechnet alle 30 Minuten, an jeder Wende und neben den Schlägen neu. Auf Wunsch nimmt sie den Wind an Bord, von Hand eingegeben oder von den Bordinstrumenten; sein Einfluss klingt über drei Stunden ab. Auf den Schlägen gibt es keinen Kursalarm.

Die Polare deines Boots

Sailseer rechnet mit dem Polardiagramm einer 34-Fuß-Fahrtenyacht, skaliert mit deiner Planungsfahrt. Unter „Am Wind und Kreuzen“ stellst du Höhe am Wind, Abdrift, Wendeverlust und die Fahrt hoch am Wind bei 6, 10, 15 und 20 kn wahrem Wind ein. Aus einem GPX-Track früherer Törns schätzt Sailseer, wie schnell dein Boot im Vergleich läuft, und schlägt Werte am Wind vor; der Track wird nicht gespeichert. Mit angeschlossenen Bordinstrumenten entsteht aus deinen eigenen Messungen eine Polare.

Kreuzschläge sind eine Planung aus Vorhersage und Tiefenraster, keine Navigation. Amtliche Seekarte, Seewetterbericht und Warnungen gehen vor, und an Bord entscheidest du nach dem Wind, den du wirklich hast. Wann sich eine Kreuz überhaupt lohnt, steht im Ratgeber Wetterfenster.

Häufige Fragen

Wie groß ist der Wendewinkel einer Fahrtenyacht?

Meist 80 bis 100 Grad: das Doppelte der Höhe am Wind, die je nach Boot und See bei 40 bis 50 Grad zum wahren Wind liegt. Dazu kommt die Abdrift, die den Kurs über Grund noch etwas tiefer legt.

Wie viel länger ist der Weg beim Kreuzen?

Liegt das Ziel genau im Wind, bei 45 Grad zum Wind rund 1,4-mal die Luftlinie, bei 50 Grad gut 1,5-mal. Langsamere Fahrt hoch am Wind, Wendeverluste und Gegenstrom verlängern die Zeit zusätzlich.

Was bedeutet VMG?

Velocity Made Good, die Fahrt in Richtung Ziel: Fahrt mal Kosinus des Winkels zwischen Kurs und Zielrichtung. Beim Kreuzen ist sie das Maß dafür, wie schnell du wirklich vorankommst.

Läuft bei Sailseer gegenan der Motor?

Nein. Ein Segelboot kreuzt gegenan unter Segeln, auch bei wenig Wind, das Motorboot kreuzt gar nicht. Wer motoren will, schaltet unter „Gegenan“ auf die direkte Route; dann gibt es auch keine Kreuzhilfe im Fahrtmodus.

Kann ich die Kreuzschläge auf den Plotter laden?

Ja, die Schläge einer Etappe gibt es als GPX. Sie bleiben eine Planung aus Vorhersage und Tiefenraster: prüf sie auf der amtlichen Seekarte, bevor du ihnen folgst.

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