Kurse zum Wind: welche Kurse es beim Segeln gibt
Stand 07.10.2026 · Lesezeit 5 min
Kurz gesagt: Kurse zum Wind beschreiben den Winkel zwischen Kurs und wahrem Wind: hoch am Wind, am Wind, halber Wind, raumschots und vor dem Wind; im toten Winkel segelt kein Boot.
Kurse zum Wind benennen den Winkel zwischen Kurs und wahrem Wind. Es gibt hoch am Wind (etwa 30 bis 45 Grad, je nach Boot), am Wind (etwa 45 bis 70 Grad), halben Wind (etwa 90 Grad), raumschots (etwa 120 bis 150 Grad) und vor dem Wind (180 Grad). Direkt im Wind (toter Winkel) segelt kein Boot.
Welche Kurse zum Wind gibt es im Überblick?
Die Tabelle zeigt alle Kurse mit dem Winkel zum wahren Wind. Die Grenzen sind Richtwerte: wie hoch ein Boot an den Wind kommt und wo es am schnellsten ist, hängt von Rumpf, Kiel, Segeln und Trimm ab.
| Kurs | Winkel zum wahren Wind | Segelstellung | Typisch |
|---|---|---|---|
| Im Wind (toter Winkel) | 0 Grad bis zur Höhe am Wind | Segel killen | keine Fahrt, Ziel nur kreuzend erreichbar |
| Hoch am Wind | etwa 30 bis 45 Grad | ganz dichtgeholt | viel Lage, nass, gegen die Welle |
| Am Wind | etwa 45 bis 70 Grad | dicht, leicht gefiert | kräftige Fahrt, deutliche Krängung |
| Halber Wind | etwa 90 Grad | etwa halb gefiert | oft der schnellste Kurs, wenig Lage |
| Raumschots | etwa 120 bis 150 Grad | weit gefiert | angenehm, das Boot giert in der Welle |
| Vor dem Wind | etwa 160 bis 180 Grad | ganz gefiert, Schmetterling oder Spinnaker | Rollen, Gefahr einer Patenthalse |
Zwischen den Kursen gibt es keine harte Grenze. Wer von halbem Wind weiter abfällt, segelt mit raumem Wind und bald raumschots.
Was ist der tote Winkel beim Segeln?
Der tote Winkel ist der Bereich beiderseits der Windrichtung, in dem die Segel nur killen (flattern) und das Boot keine Fahrt macht. Bei Fahrtenyachten reicht er etwa 40 bis 45 Grad zu jeder Seite, bei Regattabooten etwa 30 bis 35 Grad.
Ein Ziel im toten Winkel erreichst du nur durch Kreuzen: im Zickzack, mit Wenden abwechselnd auf Steuerbord- und Backbordbug. Der Wendewinkel zwischen den beiden Schlägen ist doppelt so groß wie die Höhe am Wind, bei einer Fahrtenyacht also rund 80 bis 90 Grad. Über Grund wird er durch Abdrift und Strom noch größer. Wie du die Schläge legst, steht im Ratgeber Kreuzen.
Was ist ein Am-Wind-Kurs?
Am Wind segelst du, wenn der Wind schräg von vorn kommt, etwa 30 bis 70 Grad zum wahren Wind. Hoch am Wind ist der spitzeste Winkel, den dein Boot mit Fahrt halten kann; die Segel sind dabei ganz dichtgeholt.
Am Wind krängt das Boot am stärksten, Welle und Gischt kommen von vorn, und der scheinbare Wind ist deutlich stärker als der wahre. Steuerst du zu hoch, kneift das Boot: das Vorsegel killt am Vorliek, die Fahrt bricht ein. Ein paar Grad abfallen bringt Fahrt, und oft kommst du so schneller gegen den Wind voran (bessere VMG).
Was bedeuten halber Wind, raumschots und vor dem Wind?
Bei halbem Wind kommt der Wind genau von der Seite (etwa 90 Grad), raumschots schräg von achtern (etwa 120 bis 150 Grad) und vor dem Wind direkt von hinten (180 Grad). Mit jedem dieser Kurse fierst du die Schoten weiter.
Halber bis leicht raumer Wind ist für die meisten Fahrtenyachten der schnellste und bequemste Kurs. Raumschots wirkt ruhig, weil der scheinbare Wind schwächer wird, obwohl draußen der volle Wind steht. Vor dem Wind rollt das Boot, das Vorsegel fällt in den Windschatten des Großsegels, und schon ein kleiner Winddreher oder Steuerfehler kann den Großbaum unkontrolliert überschlagen lassen (Patenthalse). Viele Fahrtensegler segeln deshalb lieber raumschots mit Halsen im Zickzack und sichern den Baum mit einem Bullenstander.
Was ist der Unterschied zwischen Wende und Halse?
Bei der Wende dreht der Bug durch den Wind, bei der Halse das Heck. Mit beiden Manövern wechselst du den Bug, also vom Steuerbordbug auf den Backbordbug oder umgekehrt.
Die Wende gehört zum Kreuzen und ist das ruhigere Manöver: die Segel killen kurz und füllen sich auf der anderen Seite. Bei der Halse schwenkt der Großbaum mit vollem Winddruck über das Cockpit. Hol die Großschot vorher dicht und fier sie danach wieder. Bei viel Wind ist die Kuhwende sicherer: statt zu halsen, luvst du an, wendest und fällst auf dem neuen Bug wieder ab.
Was bedeuten Luv, Lee, anluven und abfallen?
Luv ist die Seite, von der der Wind kommt, Lee die vom Wind abgewandte Seite. Anluven heißt, den Kurs näher an den Wind zu drehen; abfallen heißt, ihn vom Wind weg zu drehen.
- Beim Anluven holst du die Schoten dicht, beim Abfallen fierst du sie.
- Auf Steuerbordbug kommt der Wind von Steuerbord, der Großbaum steht an Backbord; auf Backbordbug ist es umgekehrt.
- Ausweichregel unter Segeln (KVR Regel 12): Backbordbug weicht Steuerbordbug, auf gleichem Bug weicht das Boot in Luv.
- Eine Küste in Lee (Legerwall) ist gefährlich, weil Wind und Welle dich auf sie zu treiben.
Wie erkennst du an Bord die Windrichtung?
Am schnellsten mit dem Verklicker oder Windex im Masttopp und den Windfäden an Segeln und Wanten. Beide zeigen den scheinbaren Wind, nicht den wahren.
Den wahren Wind siehst du auf dem Wasser: Kräuselwellen und Schaumstreifen ziehen mit dem Wind, die Kämme der Windsee stehen quer zu ihm. Flaggen an Land und ankernde Boote helfen ebenfalls, solange kein Strom sie dreht. Die Windanlage misst den scheinbaren Wind (AWA, AWS) und rechnet daraus den wahren (TWA, TWS). Den Unterschied erklärt der Ratgeber Wahrer und scheinbarer Wind.
Wie hilft Sailseer bei den Kursen zum Wind?
Sailseer zeigt für jede Etappe einer Route den Kurs zum Wind mit dem wahren Windwinkel, den scheinbaren Wind und eine Segelwahl aus Böe und Kurs. Die Fahrt kommt aus einem Polardiagramm je Windwinkel und Windstärke. Liegt der nächste Wegpunkt spitzer am Wind, als dein Boot Höhe läuft (einstellbar von 30 bis 70 Grad), legt die Analyse die Kreuzschläge selbst. Im Reiter Freie Fahrt nennt das Revierwetter je Tagesabschnitt die Kursbereiche über Grund für am Wind, halben Wind, raumschots und vor dem Wind. Route auf der Karte planen. Zur Navigation gelten amtliche Seekarten und Seewetterberichte.
Häufige Fragen
Wie spitz kann ein Segelboot gegen den Wind segeln?
Fahrtenyachten segeln hoch am Wind etwa 40 bis 45 Grad zum wahren Wind, Regattayachten etwa 30 bis 35 Grad. Spitzer geht es nicht, dort liegt der tote Winkel. Ein Ziel genau im Wind erreichst du nur durch Kreuzen.
Welcher Kurs zum Wind ist am schnellsten?
Für die meisten Fahrtenyachten halber bis leicht raumer Wind, also etwa 90 bis 120 Grad zum wahren Wind. Vor dem Wind ist meist langsamer, weil der scheinbare Wind schwach ist. Wo genau das Maximum liegt, zeigt das Polardiagramm des Boots.
Was ist der Unterschied zwischen raumschots und vor dem Wind?
Raumschots kommt der Wind schräg von achtern (etwa 120 bis 150 Grad), vor dem Wind genau von hinten (180 Grad). Raumschots stehen beide Segel voll und das Boot läuft stabiler, vor dem Wind droht eine Patenthalse.
Was heißt Steuerbordbug und Backbordbug?
Auf Steuerbordbug kommt der Wind von Steuerbord und der Großbaum steht an Backbord, auf Backbordbug umgekehrt. Nach KVR Regel 12 weicht das Boot auf Backbordbug dem Boot auf Steuerbordbug aus.
Was ist der Unterschied zwischen Wende und Halse?
Bei der Wende geht der Bug durch den Wind, bei der Halse das Heck. Die Halse ist bei viel Wind heikler, weil der Großbaum mit Druck überschlägt; eine Kuhwende ist dann die sichere Alternative.
Zeigt der Verklicker den wahren Wind?
Nein, Verklicker und Windfäden zeigen den scheinbaren Wind, also wahren Wind plus Fahrtwind. Am Wind kommt er dadurch spitzer von vorn als der wahre Wind, siehe Wahrer und scheinbarer Wind.