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Wahrer und scheinbarer Wind: der Unterschied einfach erklärt

Stand 07.10.2026 · Lesezeit 4 min

Törn planen

Kurz gesagt: Der scheinbare Wind ist der Wind an Bord, also wahrer Wind plus Fahrtwind: am Wind stärker als der wahre Wind, vor dem Wind schwächer.

Der wahre Wind ist der Wind, den ein Beobachter misst, der sich nicht bewegt. Der scheinbare Wind ist der Wind, den du an Bord eines fahrenden Boots spürst: die Summe aus wahrem Wind und Fahrtwind. Am Wind ist er stärker und kommt spitzer von vorn, vor dem Wind ist er schwächer. Segel trimmst du nach dem scheinbaren Wind.

Was ist der wahre Wind?

Der wahre Wind ist die Bewegung der Luft gegenüber der Erdoberfläche, so wie ein Windmesser an Land oder auf einem ankernden Boot sie misst. Diesen Wind nennen Wettervorhersagen, Seewetterberichte und Windkarten.

Er hat eine Richtung, aus der er weht (TWD, True Wind Direction, als Kompassrichtung), und eine Stärke (TWS, True Wind Speed). Sein Winkel zum Kurs deines Boots heißt TWA (True Wind Angle). Genau genommen rechnen Bordinstrumente den wahren Wind gegenüber dem Wasser, weil sie die Fahrt durchs Wasser aus der Logge nehmen. Im Strom weicht er deshalb etwas vom Wind über Grund ab, den die Vorhersage meint.

Was ist Fahrtwind?

Fahrtwind ist der Wind, den die eigene Bewegung erzeugt: so stark wie deine Fahrt und genau von vorn. Motorst du bei Windstille mit 6 kn, spürst du 6 kn Wind von vorn.

Wie entsteht der scheinbare Wind?

Der scheinbare Wind ist die Vektorsumme aus wahrem Wind und Fahrtwind. Stell ihn dir als Dreieck vor: eine Seite ist der wahre Wind, die zweite der Fahrtwind von vorn, die dritte schließt das Dreieck und ist der scheinbare Wind.

Daraus folgen drei Regeln. Je spitzer der Kurs zum Wind, desto mehr addieren sich die beiden, und der scheinbare Wind wird stärker. Je raumer der Kurs, desto mehr zieht der Fahrtwind ab, und der scheinbare Wind wird schwächer. Und außer genau vor dem Wind kommt der scheinbare Wind immer weiter von vorn als der wahre. Das Beispiel rechnet mit 15 kn wahrem Wind und angenommen gleichen 6 kn Fahrt auf jedem Kurs:

Kurswahrer Windwinkel (TWA)scheinbarer Windwinkel (AWA)scheinbarer Wind (AWS)
Hoch am Wind45 Grad33 Grad19,7 kn
Am Wind60 Grad44 Grad18,7 kn
Halber Wind90 Grad68 Grad16,2 kn
Raumschots135 Grad113 Grad11,6 kn
Vor dem Wind180 Grad180 Grad9,0 kn

Warum ist der scheinbare Wind am Wind stärker?

Weil der Fahrtwind dann fast von derselben Seite kommt wie der wahre Wind und sich zu ihm addiert. Im Beispiel spürst du hoch am Wind fast 20 kn, obwohl nur 15 kn wehen.

Vor dem Wind ist es umgekehrt: der Fahrtwind zieht ab, an Bord fühlen sich 15 kn wie 9 kn an. Das ist die klassische Falle auf langen raumen Schlägen. Das Boot läuft ruhig, das Cockpit bleibt trocken, und erst beim Anluven, etwa zum Bergen der Segel oder vor dem Hafen, steht plötzlich mehr als doppelt so viel Wind an. Reffe deshalb nach dem wahren Wind, nicht nach dem Gefühl, siehe Wann reffen?.

Was zeigen AWA, AWS, TWA und TWS auf dem Instrument?

AWA und AWS sind Winkel und Stärke des scheinbaren Winds, gemessen vom Windgeber im Masttopp. TWA, TWS und TWD sind der wahre Wind, den die Anlage aus dem scheinbaren Wind, der Fahrt durchs Wasser und dem Steuerkurs berechnet.

Der berechnete wahre Wind ist nur so gut wie Logge und Kompass. Springt TWS nach jeder Wende oder dreht TWD mit dem Bug mit, ist meist die Logge falsch kalibriert. Verklicker und Windfäden zeigen immer den scheinbaren Wind.

Warum geben Wettervorhersagen den wahren Wind an?

Weil die Vorhersage für jedes Boot gelten muss, unabhängig von Kurs und Fahrt. Sie nennt den wahren Wind über Grund, meist als Mittelwind in 10 m Höhe, dazu die Böen.

Vergleichst du Vorhersage und Instrument, nimm TWS und TWD, nicht den scheinbaren Wind. Der Windgeber sitzt selten genau in 10 m Höhe, und weiter oben weht es etwas stärker. Für die Planung zählt der wahre Wind: aus ihm und deinem Kurs ergibt sich der Kurs zum Wind.

Wie hilft Sailseer beim wahren und scheinbaren Wind?

Sailseer plant mit dem wahren Wind der Vorhersage und zeigt je Etappe den wahren Windwinkel, den Kurs zum Wind und den daraus gerechneten scheinbaren Wind; die Fahrt kommt aus einem Polardiagramm. Unterwegs liest Sailseer unter Fahrt > Bordinstrumente die Daten deines Boots. Sendet es nur den scheinbaren Wind, rechnet Sailseer den wahren aus AWA, AWS, Fahrt und Kurs, gibt ihn als Mittel über zwei Minuten an die Kreuzhilfe und stellt die Vorhersage an der Position des Boots zum Vergleich daneben. Zur Karte, mehr zum Kreuzen. Nicht zur Navigation: amtliche Seekarten und Wetterberichte gehen vor.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen wahrem und scheinbarem Wind?

Der wahre Wind weht unabhängig vom Boot, der scheinbare ist der Wind, den du an Bord spürst: wahrer Wind plus Fahrtwind. Nur wenn das Boot steht, sind beide gleich.

Zeigt der Verklicker den wahren oder den scheinbaren Wind?

Den scheinbaren. Verklicker, Windex und Windfäden drehen sich mit dem Wind, den das fahrende Boot spürt. Den wahren Wind zeigt erst die Windanlage, wenn sie ihn aus Fahrt und Kurs berechnet.

Ist der Wind in der Wettervorhersage wahrer oder scheinbarer Wind?

Wahrer Wind über Grund, meist als Mittelwind in 10 m Höhe mit den Böen dazu. Vergleiche ihn an Bord mit TWS und TWD, nicht mit dem scheinbaren Wind.

Warum fühlt sich vor dem Wind weniger Wind an?

Weil der Fahrtwind vom wahren Wind abgeht. Bei 15 kn wahrem Wind und 6 kn Fahrt spürst du vor dem Wind nur 9 kn. Beim Anluven ist der volle Wind sofort wieder da.

Was bedeuten AWA und TWA?

AWA (Apparent Wind Angle) ist der Winkel des scheinbaren Winds zum Bug, TWA (True Wind Angle) der des wahren Winds. Am Wind ist AWA kleiner als TWA, genau vor dem Wind sind beide 180 Grad.

Nach welchem Wind trimme ich die Segel?

Nach dem scheinbaren Wind, denn nur ihn spüren die Segel. Die Windfäden am Vorliek zeigen dir, ob das Segel richtig zum scheinbaren Wind steht.

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