Ankern: Ankerplatz wählen, sicher ankern und Ankerwache halten
Stand 07.10.2026 · Lesezeit 5 min
Kurz gesagt: Sicher ankerst du, wo Wind und Schwell der ganzen Nacht abgehalten werden, der Grund hält und genug Kette liegt: als Faustregel drei- bis fünfmal die Wassertiefe.
Sicher ankern heißt: eine Bucht wählen, die vor Wind und Schwell der ganzen Nacht schützt, auf Sand oder Schlick mit genug Platz zum Schwojen, je nach Wind drei- bis fünfmal die Wassertiefe an Kette stecken, den Anker rückwärts einfahren und eine Ankerwache mit GPS-Alarm laufen lassen, die auch eine Winddrehung in der Nacht bemerkt.
Woran erkenne ich einen guten Ankerplatz?
An vier Dingen: Schutz vor Wind und Schwell, haltender Grund, passende Tiefe und genug Platz zum Schwojen. Der Schutz muss für die ganze Nacht reichen, nicht nur für den Wind beim Ankommen.
| Kriterium | Gut | Vorsicht |
|---|---|---|
| Schutz | Land in Luv, auch für den Wind der Nacht | Bucht offen zur angesagten Drehung, Schwell um die Huk |
| Ankergrund | Sand, Schlick, fester Lehm | Fels, Steine, dichter Bewuchs, sehr weicher Schlamm |
| Tiefe | genug Wasser bei Niedrigwasser, nicht zu tief für die Kette | Tidenhub vergessen |
| Platz | freier Schwojkreis, Abstand zu anderen Booten | Bojenfeld, Kabel, Fahrwasser, Badezone |
Schwell läuft um Landzungen herum in die Bucht, auch wenn der Wind abgehalten wird: Ein Platz kann im Wind ruhig liegen und trotzdem rollen. Den Grund nennt die Seekarte mit Abkürzungen wie S (Sand), M (Schlick), R (Fels) und Wd (Bewuchs). Im Mittelmeer stehen Seegraswiesen (Posidonia) vielerorts unter Schutz, Ankern darauf ist dort verboten. Über Kabeln und Leitungen, die in der Seekarte stehen, wird nicht geankert.
Wie viel Ankerkette muss ich stecken?
Als Faustregel mit Kette drei- bis fünfmal die Wassertiefe, bei Starkwind und Schwell mehr. Mit einer Ankerleine brauchst du deutlich mehr Länge.
Gerechnet wird die Tiefe ab der Bugrolle: Wassertiefe bei Hochwasser plus die Höhe des Bugs über dem Wasser. Mehr Kette legt sich flach auf den Grund, zieht den Anker waagerecht und dämpft Rucke.
| Tiefe ab Bugrolle | dreifach (ruhig) | fünffach (Wind) |
|---|---|---|
| 4 m | 12 m | 20 m |
| 6 m | 18 m | 30 m |
| 8 m | 24 m | 40 m |
| 10 m | 30 m | 50 m |
Wo andere Boote dicht liegen, steckst du ungefähr so viel wie sie, damit alle ähnlich schwojen.
Wie setze ich den Anker richtig?
Langsam gegen den Wind anfahren, den Anker bis zum Grund fieren, beim Zurücktreiben Kette stecken und den Anker rückwärts mit Motorkraft einfahren.
- Langsam gegen den Wind zu der Stelle fahren, an der der Anker liegen soll, und aufstoppen.
- Anker zügig bis zum Grund fieren, dann beim Zurücktreiben die Kette nach und nach stecken, nicht auf einen Haufen.
- Bei der geplanten Länge belegen und warten, bis das Boot in den Wind dreht und die Kette steif kommt.
- Rückwärts mit langsam steigender Motorkraft einfahren und an zwei Peilungen oder einer Deckpeilung an Land prüfen, ob das Boot steht. Zittert die Kette unter der Hand, rutscht der Anker.
- Kettenkralle mit Leine (Snubber) setzen, damit die Last nicht auf der Ankerwinde liegt.
- Am Tag den schwarzen Ankerball zeigen, nachts das weiße Rundumlicht (KVR Regel 30).
Wie funktioniert eine Ankerwache?
Eine Ankerwache prüft, ob das Boot im Schwojkreis bleibt: früher mit Peilungen und einer Wache an Deck, heute mit GPS-Alarm. Der Kreis gehört um den Anker, nicht um die Stelle, an der das Boot beim Einschalten liegt.
Sein Radius ist ungefähr Kettenlänge plus Bootslänge, dazu eine Reserve für die Ungenauigkeit des GPS. Ist er zu klein, weckt dich jeder Winddreher, ist er zu groß, bemerkt die Wache das Slippen zu spät. Nachts gehören dazu ein Blick auf Wind, Nachbarn und Ufer, ein geladenes Handy und eine Lampe griffbereit.
Warum muss ich den Wind der Nacht prüfen?
Weil ein Ankerplatz nur gegen bestimmte Richtungen schützt. Dreht der Wind nachts auf die offene Seite, liegt das Boot an Legerwall, oft in der dunkelsten Stunde.
Häufige Gründe: Die Seebrise schläft abends ein und der Landwind oder der Gradientwind setzt sich durch, eine Front dreht den Wind, Gewitter bringen Böen aus jeder Richtung, und Lokalwinde wie die Bora setzen plötzlich ein. Lies vor dem Ankern den Seewetterbericht, präge dir den Weg hinaus bei Tageslicht ein und entscheide vorher, ab welchem Wind du verlegst. Mehr zu plötzlichen Böen im Ratgeber Böen und Gewitter, zu Schwell und Dünung unter Seegang und Welle.
Wie hilft Sailseer beim Ankern?
Im Steckbrief eines Hafens auf der Karte stehen die Ankerplätze in der Nähe mit ihrem Schutz je Windrichtung, gerechnet in Sektoren von 30 Grad aus der Entfernung zur Küste. Der Nacht-Check legt den Wind der nächsten 14 Stunden aus dem Konsens der Wettermodelle auf jeden Platz und nennt die kritische Stunde in Ortszeit, etwa „ab 03 Uhr offen: Wind W 18 kn, Böen 27 kn, Schwell in der Bucht“. So siehst du schon am Nachmittag, ob die Bucht auch um drei Uhr nachts noch schützt, zum Beispiel in der westlichen Ostsee, in Irland, in der Karibik, auf den Malediven oder an den Binnenseen.
Die Ankerwache läuft im Browser, ohne Konto und ohne App: „Anker ist hier gefallen“ merkt sich die Position, der Radius kommt aus Kette plus Bootslänge plus 5 m oder wird direkt eingegeben, und der Kreis lässt sich verschieben. Liegt das Boot dreimal nacheinander außerhalb oder schweigt das GPS 90 Sekunden, gibt es Alarm mit Ton, Vibration und Mitteilung; ungenaue Positionen mit mehr als 60 m Fehler lösen keinen Fehlalarm aus. Beim Start holt die Wache den Wind der Nacht für den Platz und wacht mit einem eigenen Gewitterwächter über den Ankerplatz. Die Spur liegt auf der Karte, und ein Boots-GPS über die Bordinstrumente kann das Handy ersetzen.
Sailseer ist eine Planungshilfe und nicht zur Navigation. Der Blick nach draußen, die amtliche Seekarte und der Seewetterbericht gehen vor.
Häufige Fragen
Wie viel Kette brauche ich beim Ankern?
Mit Kette drei- bis fünfmal die Tiefe ab Bugrolle, bei Starkwind mehr. Bei 6 m Tiefe sind das 18 bis 30 m. Mit Ankerleine brauchst du deutlich mehr Länge.
Wie groß ist der Schwojkreis?
Ungefähr Kettenlänge plus Bootslänge um den Anker, bei 30 m Kette und 10 m Boot also rund 40 m. Die Ankerwache von Sailseer rechnet noch 5 m Reserve dazu.
Welcher Ankergrund hält am besten?
Sand und Schlick halten mit den gängigen Ankern meist gut, fester Lehm ebenfalls. Fels, Steine und dichter Bewuchs halten schlecht, sehr weicher Schlamm nur mit viel Kette.
Muss ich vor Anker ein Ankerlicht setzen?
Ja: nachts ein weißes Rundumlicht, am Tag einen schwarzen Ball im Vorschiff (KVR Regel 30). Ausgenommen sind nur Fahrzeuge unter 7 m Länge außerhalb von Fahrwassern, Ankerplätzen und üblichen Schifffahrtswegen.
Wie stelle ich den Ankeralarm richtig ein?
Setze den Mittelpunkt dorthin, wo der Anker liegt, und nimm als Radius Kette plus Bootslänge plus eine Reserve für das GPS. In Sailseer drückst du „Anker ist hier gefallen“, wenn der Anker fällt, oder verschiebst den Kreis danach auf die richtige Stelle.
Woran merke ich, dass mein Anker slippt?
Die Peilungen zu Landmarken wandern, die Kette zittert oder ruckt, und das Boot liegt anders zum Wind als die Nachbarn. Ein Ankeralarm meldet es, sobald das Boot den Schwojkreis verlässt.