Seewetterbericht lesen und verstehen: Wetterlage, Seegebiete, Seegang und Warnungen
Stand 07.10.2026 · Lesezeit 6 min
Kurz gesagt: Ein Seewetterbericht nennt die Wetterlage, dann je Seegebiet Wind in Beaufort, Sicht und Seegang, danach die Aussichten; seine Warnungen vor Starkwind und Sturm gehen vor.
Ein Seewetterbericht ist die amtliche Vorhersage eines Wetterdienstes für festgelegte Seegebiete. Er beginnt mit der Wetterlage, nennt dann je Seegebiet den Wind in Beaufort mit Richtung und Änderung, Sicht und Wetter sowie den Seegang und schließt mit den Aussichten. Seine Warnungen vor Starkwind und Sturm gehen jeder App vor.
Wie ist ein Seewetterbericht aufgebaut?
Fast immer gleich: Kopf, Warnungen, Wetterlage, Vorhersage je Seegebiet und Aussichten. Wer die Reihenfolge kennt, findet sein Gebiet schnell.
| Teil | Inhalt |
|---|---|
| Kopf | Dienst und Ausgabezeit, meist in UTC |
| Warnungen | Starkwind, Sturm, Orkan; im Shipping Forecast stehen die gale warnings vorn |
| Wetterlage | Hochs und Tiefs mit Kerndruck in Hektopascal, Fronten und ihre Zugrichtung |
| Vorhersage | je Seegebiet Wind, Sicht und Wetter, Seegang |
| Aussichten | die Entwicklung danach, gröber gefasst |
Ein Gebiet aus einem Bericht des DWD liest sich so:
- Deutsche Bucht, Wind: Süd bis Südwest 4, zeitweise um 5, west- bis nordwestdrehend, später Gewitterböen 8.
- Sicht/Wetter: Später starker Regen und Gewitter mit schlechter Sicht.
- Seegang: Nordteil zunehmend 2 Meter.
Übersetzt: Wind aus Süd bis Südwest mit 11 bis 16 kn, zeitweise etwa 17 bis 21 kn, er dreht über West nach Nordwest. Später bringen Gewitter Böen von 34 bis 40 kn und schlechte Sicht, im Nordteil wächst der Seegang auf 2 m.
Was bedeuten die Begriffe im Seewetterbericht?
Die Wörter sind knapp und immer dieselben. Wind steht als Richtung, aus der er weht, mit der Stärke in Beaufort, also als Mittelwind; die Böen liegen darüber.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Süd 4 | Wind aus Süd, Stärke 4 Beaufort (11 bis 16 kn) |
| um 5 | etwa Stärke 5 |
| zeitweise | immer wieder, aber nicht durchgehend |
| vorübergehend | für kürzere Zeit |
| strichweise | nur in Teilen des Gebiets |
| anfangs, später | am Anfang, gegen Ende des Zeitraums |
| zunehmend, abflauend | der Wind wird stärker oder schwächer |
| westdrehend | der Wind dreht auf West |
| rechtsdrehend, rückdrehend | dreht im oder gegen den Uhrzeigersinn |
| Gewitterböen 8 | in Gewittern Böen bis Stärke 8 |
Für die Sicht nennt der Shipping Forecast feste Grenzen: good über 5 sm, moderate 2 bis 5 sm, poor 1.000 m bis 2 sm, very poor unter 1.000 m. Der DWD spricht von guter, mittlerer, schlechter und sehr schlechter Sicht. Die ganze Skala mit Knoten steht im Ratgeber Windstärken nach Beaufort.
Wie wird der Seegang angegeben?
Der DWD nennt ihn in Metern, der Shipping Forecast in Wörtern. Gemeint ist die kennzeichnende Wellenhöhe, das Mittel aus dem höchsten Drittel der Wellen; einzelne Wellen werden deutlich höher.
| Shipping Forecast | Deutsch | Wellenhöhe |
|---|---|---|
| smooth | schwach bewegt | unter 0,5 m |
| slight | leicht bewegt | 0,5 bis 1,25 m |
| moderate | mäßig bewegt | 1,25 bis 2,5 m |
| rough | grob | 2,5 bis 4 m |
| very rough | sehr grob | 4 bis 6 m |
| high | hoch | 6 bis 9 m |
| very high | sehr hoch | 9 bis 14 m |
| phenomenal | außergewöhnlich schwer | über 14 m |
Wie Windsee, Dünung und Periode zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Seegang und Welle.
Wie funktionieren DWD, Shipping Forecast und MET Norway?
Alle drei folgen demselben Schema, mit eigenen Gebieten und Wörtern.
DWD
Der Seewetterdienst Hamburg gibt einen Bericht für Nord- und Ostsee heraus, mit Seegebieten von der Südwestlichen Nordsee und der Deutschen Bucht über Skagerrak, Kattegat und Belte und Sund bis zum Finnischen Meerbusen. Dazu kommen ein Bericht für die deutsche Küste mit Abschnitten wie Elbmündung oder Flensburg bis Fehmarn und einer für das Mittelmeer, der die Gebiete mit Starkwind, Sturm oder Orkan nennt. Wind in Beaufort, Luftdruck in Hektopascal, Zeiten in UTC. Starkwindwarnungen gelten für Stärke 6 und 7, Sturmwarnungen ab Stärke 8.
Met Office Shipping Forecast
Viermal am Tag, um 23, 05, 11 und 17 Uhr UTC, für die folgenden 24 Stunden und 31 Seegebiete rund um die Britischen Inseln, von Viking und German Bight bis Fastnet, Shannon und Southeast Iceland. Erst die gale warnings (ab Stärke 8), dann die Wetterlage (general synopsis), dann je Gebiet Wind, Seegang, Wetter und Sicht. Zeitwörter: imminent heißt innerhalb von 6 Stunden, soon in 6 bis 12 Stunden, later nach mehr als 12 Stunden.
MET Norway
Vorhersagen für die norwegischen Küstengewässer und die Seegebiete bis Spitzbergen, Jan Mayen und in die Dänemarkstraße, auf Norwegisch und Englisch. Vorsicht bei den Wörtern: „liten kuling“ ist schon Stärke 6, „stiv kuling“ 7, „sterk kuling“ 8, „liten storm“ 9 und „full storm“ 10.
Welche Seegebiete gelten für meinen Törn?
Alle, die deine Strecke berührt, dazu das Gebiet in Luv, aus dem das Wetter kommt. Die Grenzen zeigen die Karten der Dienste.
An Landesgrenzen gelten oft die Berichte zweier Dienste mit eigenen Namen: Die Deutsche Bucht heißt im Shipping Forecast German Bight, das Gebiet Fischer dort Fisher. Lies beide, wenn deine Route dort verläuft.
Wo bekomme ich den Seewetterbericht?
An Bord über UKW, NAVTEX und Kurzwelle, im Hafen auch online.
| Weg | Wie |
|---|---|
| UKW-Seefunk | In vielen Ländern senden Küstenfunkstellen oder die Küstenwache Seewetter und Warnungen, angekündigt auf Kanal 16. |
| NAVTEX | Ein Empfänger an Bord zeigt die Meldungen: 518 kHz auf Englisch, 490 kHz in der Landessprache; Art E sind Vorhersagen, Art B Wetterwarnungen. |
| Kurzwelle und Rundfunk | Der DWD strahlt seinen Bericht auf 5905 und 6180 kHz aus (Stand Oktober 2026 im technischen Testbetrieb), BBC Radio 4 sendet den Shipping Forecast. |
| Internet | Bei den Diensten selbst, etwa DWD, Met Office und MET Norway. |
| Hochsee | Über Satellit (Inmarsat SafetyNET) für die großen METAREA-Gebiete. |
Das Internet gehört nicht zum amtlichen Sicherheitsfunk, darauf weist auch das Met Office hin: Auf See sind NAVTEX und UKW der verlässliche Weg.
Warum ist der Seewetterbericht bei Warnungen besser als eine App?
Weil Meteorologen ihn schreiben, die mehrere Modelle, Messungen und örtliche Effekte abwägen, und weil seine Warnungen amtlich sind. Eine App zeigt dagegen meist die Ausgabe eines Modells auf einem Gitter.
Modelle glätten: Gewitterböen, Düsen an Kaps und die volle Stärke von Lokalwinden kommen dort oft zu schwach an. Der Bericht nennt sie, auch wenn sie nur strichweise auftreten. Am besten nutzt du beides: das Modell für den Verlauf an deinem Kurs, den Bericht für Lage und Warnungen. Wie sich die Modelle unterscheiden, steht im Ratgeber Wettermodelle.
Wie zeigt Sailseer die Seewetterberichte?
Zu jeder Route und jedem Punkt auf der Karte zeigt Sailseer die amtlichen Seewetterberichte der Gebiete, die der Weg mit 20 sm Rand berührt, im Wortlaut mit Dienst, Ausgabezeit, Sprache und Link: DWD, KNMI, MET Norway, AEMET, IMO, Met Office, Météo-France, HNMS, DHMZ, DMI für Grönland und weitere bis in den Indischen Ozean, deutschsprachige Berichte vorn. Gewitterböen aus dem DWD-Bericht gehen in die Bewertung ein, und eine Sturmwarnung im Revier setzt eine Abfahrt auf null Punkte. Neue amtliche Warnungen für einen Hafen meldet der Warnungsalarm per Mail oder Push.
Sailseer ist eine Planungshilfe und nicht zur Navigation. Maßgeblich ist der Bericht des Dienstes selbst, und zwar immer der neueste.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Südwest 5, zeitweise 6“?
Wind aus Südwest mit Stärke 5 Beaufort (17 bis 21 kn), immer wieder auch Stärke 6 (22 bis 27 kn). Gemeint ist der Mittelwind, die Böen liegen darüber.
Was ist der Unterschied zwischen Starkwind- und Sturmwarnung?
Beim DWD gilt eine Starkwindwarnung für Stärke 6 und 7, eine Sturmwarnung ab Stärke 8 Beaufort (ab 34 kn). Das Met Office gibt gale warnings ebenfalls ab Stärke 8 heraus.
Was bedeutet „Gewitterböen 8“?
In Gewittern sind Böen der Stärke 8 möglich, also 34 bis 40 kn, auch wenn der Mittelwind viel schwächer ist. Sie kommen schnell und örtlich, mehr dazu im Ratgeber Böen und Gewitter.
Welche Wellenhöhe meint der Seewetterbericht?
Die kennzeichnende Wellenhöhe, das Mittel aus dem höchsten Drittel der Wellen. Einzelne Wellen werden deutlich höher, deshalb ist „2 Meter“ kein Höchstwert.
Wie bekomme ich den Seewetterbericht ohne Internet?
Über NAVTEX (518 kHz englisch, 490 kHz in der Landessprache), über UKW-Seefunk der Küstenfunkstellen und Küstenwachen und über Kurzwelle oder Rundfunk, etwa den Shipping Forecast auf BBC Radio 4.
Wie oft erscheint der Seewetterbericht?
Mehrmals täglich, der Shipping Forecast zum Beispiel viermal am Tag. Die Ausgabezeit steht im Kopf, meist in UTC; Sailseer zeigt sie bei jedem Bericht. Lies vor dem Ablegen immer den neuesten.