Sailseer

Törnplanung Schritt für Schritt: von der Idee bis zum Ablegen

Stand 07.10.2026 · Lesezeit 5 min

Törn planen

Kurz gesagt: Gute Törnplanung folgt einer festen Reihenfolge: Boot und Grenzen, Route und Tagesetappen, Wetterfenster, Tide und Brücken, Ausweichhäfen, Formalitäten, Kraftstoff und zuletzt die Törnmeldung an Land.

Eine Törnplanung geht in zehn Schritten vom Boot zum Ablegen: Bootsdaten festlegen, Route und Wegpunkte legen, Tagesetappen nach dem Etmal teilen, das Wetterfenster wählen, Tide, Strom, Brücken und Schleusen einrechnen, Ausweichhäfen vormerken, Formalitäten klären, Kraftstoff planen, eine Törnmeldung hinterlegen und vor dem Ablegen die Checkliste durchgehen. Jeder Schritt baut auf dem vorigen auf.

Welche Bootsdaten brauche ich für die Törnplanung?

Tiefgang, Masthöhe über Wasser, eine realistische Fahrt und deine Grenzen für Böen und Welle. Daraus folgt, welche Häfen, Brücken und Wetterlagen für dich überhaupt in Frage kommen.

Der Tiefgang entscheidet über Häfen, Ankerplätze und Barren, die Masthöhe über feste Brücken. Als Fahrt zählt nicht die Rumpfgeschwindigkeit, sondern was das Boot im Mittel schafft. Genauer als ein festes Tempo ist ein Polardiagramm: Es gibt die Fahrt je Windwinkel und Windstärke an. In Sailseer wählst du ein Bootsprofil und passt die Werte an:

ProfilFahrtTiefgangMastBöen bisWelle bis
Jolle oder Kleinkreuzer bis 25 Fuß4,5 kn1,2 m10 m22 kn1,0 m
Fahrtenyacht 30 bis 36 Fuß5,5 kn1,8 m16 m30 kn2,0 m
Fahrtenyacht ab 40 Fuß6,5 kn2,2 m20 m34 kn2,5 m

Dazu kommen die Bootsart (Segelboot mit oder ohne Motor, Motorboot), die Höhe am Wind, die Abdrift und der Wendeverlust. Die Fahrt kommt aus einem Polardiagramm, das mit deinem Tempo skaliert; ein GPX-Track vom letzten Törn ergibt einen Vorschlag für die eigene Planungsfahrt.

Wie lege ich Route und Wegpunkte fest?

Zuerst Start und Ziel, dann die Zwischenstopps. Danach prüfst du jede Gerade in der amtlichen Seekarte auf Untiefen, Sperrgebiete und Verkehrstrennungsgebiete.

Sailseer legt die Strecke durch ein Wegenetz um Land und flaches Wasser herum. Zwischenstopps setzt du wie bei Google Maps als Suchzeile, oder du ziehst die Linie auf der Karte zu einem Hafen. Willst du die Linie selbst bestimmen, macht „Von Hand“ aus der Route Wegpunkte, die du wie am Plotter verschiebst. Jede Gerade wird gegen Land und Tiefe aus EMODnet geprüft und rot markiert, wenn sie über Land oder zu flaches Wasser führt. Alternativrouten zeigen, ob ein anderer Weg kaum länger ist, und Verkehrstrennungsgebiete stehen mit dem Hinweis auf KVR Regel 10 an der Strecke.

Wie weit komme ich an einem Segeltag?

Teile die Strecke durch die mittlere Fahrt und plane im Urlaub höchstens sechs bis acht Stunden am Tag. Das Etmal ist die Strecke in 24 Stunden; es zählt vor allem auf langen Schlägen über Nacht.

Fahrt im Mittelin 6 Stundenin 8 StundenEtmal (24 h)
4 kn24 sm32 sm96 sm
5 kn30 sm40 sm120 sm
6 kn36 sm48 sm144 sm
7 kn42 sm56 sm168 sm

Gegenan wird der Weg länger: Bei einem Wendewinkel von 90 Grad segelst du rund das 1,4-Fache der Strecke. Halte Reserve für Hafenmanöver, Strom und Flaute. Der Mehrtagestörn in Sailseer teilt die Strecke nach deinem Tagesbudget in Tagesetappen (Vorgabe: 30 sm am Tag, ablegen ab 8 Uhr, ankommen bis 16 Uhr, sieben Tage mit einem Reservetag) und wählt die Tagesziele nach Tiefgang, Ausstattung und Liegeplätzen. Ohne Ziel wird daraus ein Rundtörn.

Wann passt das Wetter für die Abfahrt?

Wenn Wind zum Kurs, Böen, Welle, Strom und Tageslicht auf der ganzen Strecke zu Boot und Crew passen. Fest planen lässt sich das erst zwei bis drei Tage vorher.

„Wetter prüfen“ rechnet jede volle Stunde der nächsten 120 Stunden als Abfahrt durch, mit dem Konsens von neun Wettermodellen je Ort und Stunde, dazu Welle, Strom und Wartezeiten. Jede Abfahrt bekommt bis zu 100 Punkte, die schwächste Etappe zählt: grün ab 70, gelb ab 45. Eine Sturmwarnung, eine Gewitterlage oder Welle über der Grenze des Boots setzen sie auf null. Wie du ein Fenster liest, erklärt der Ratgeber Wetterfenster.

Was muss ich bei Tide, Strom, Brücken und Schleusen beachten?

Sie bestimmen die Uhrzeit oft mehr als der Wind: Ein Seegatt geht nur mit genug Wasser, gegen starken Strom kommst du kaum an, und eine Klappbrücke öffnet nur zu festen Zeiten.

Sailseer rechnet den Tidenstrom in die Fahrt über Grund ein und wartet im Plan auf das Kentern, wenn das Boot gegen den Strom nicht ankommt. Im Mehrtagestörn prüft auf Wunsch ein Tidenfenster die flachste Barre der letzten 10 sm vor dem Tagesziel. Brücken und Schleusen stehen mit Öffnungszeiten in der Route, etwa die Brücke Lindaunis an der Schlei oder die Schleuse Kiel-Holtenau am Nord-Ostsee-Kanal. Die Wartezeit fließt in den Zeitplan, und eine feste Brücke, unter die dein Mast nicht passt, umgeht die Route. Mehr dazu in Gezeiten und Strom und Brücken und Schleusen.

Wohin, wenn es unterwegs nicht passt?

In einen Ausweichhafen, den du vor dem Ablegen ausgesucht hast: gut erreichbar, mit genug Tiefe und einer Einfahrt, die auch bei auflandigem Wind geht.

Sailseer verteilt Ausweichhäfen über die ganze Route, statt sie am Ziel zu häufen, im Mehrtagestörn je Tag. Der Steckbrief jedes Hafens nennt Tiefe und Dienste von Diesel bis Ausrüster, und die Reichweite zeigt, welche Häfen du ab einem Hafen in einer bestimmten Strecke erreichst.

Welche Formalitäten und wie viel Diesel muss ich einplanen?

Über eine Grenze brauchst du je nach Land Einklarierung, Zoll, Papiere und Gebühren. Beim Diesel zählen Motorstunden in der Flaute, Hafenmanöver und eine Reserve im Tank.

Sailseer nennt die Formalitäten je Land der Route, etwa Vignette und Kurtaxe in Kroatien; mehr im Ratgeber Einklarieren. Den Kraftstoff rechnet die Strecke aus Motorstunden, Verbrauch, Tankreserve und Reichweite, Tankstellen kommen aus den Hafensteckbriefen.

Was gehört auf die Checkliste vor dem Ablegen?

  1. Amtlichen Seewetterbericht und Warnungen lesen und mit dem Plan vergleichen (Seewetterbericht lesen).
  2. Route in der amtlichen Seekarte prüfen, Tide und Brückenzeiten bestätigen.
  3. Motor (Öl, Kühlwasser, Keilriemen), Diesel, Wasser und Gas prüfen.
  4. Rettungswesten, Lifebelts, Rettungsmittel, Lenzpumpe, UKW-Funk und Erste Hilfe bereitlegen.
  5. Crew einweisen: Mann über Bord, Notruf, Wachplan.
  6. Papiere einpacken: Bootspapiere, Funkzeugnis, Pässe, Versicherung.
  7. Route als GPX auf den Plotter laden.
  8. Törnmeldung an Land hinterlegen.

Wie hilft Sailseer bei der Törnplanung?

Sailseer ist kostenlos und ohne Konto nutzbar und bündelt die Schritte auf einer Karte: Strecke mit Zwischenstopps, Wetterprüfung mit Abfahrten über 120 Stunden, Mehrtagestörn mit Ausweichhäfen, GPX für Garmin, Raymarine und B&G (im Törn je Tag eine Route) und die Törnmeldung, die deine Landkontakte informiert, wenn du überfällig bist. Wer ein Boot chartert, findet die Besonderheiten im Ratgeber Chartertörn planen.

Sailseer ist eine Planungshilfe und nicht zur Navigation: Prüfe die Route vor dem Ablegen in der amtlichen Seekarte. Amtliche Seekarten, Seewetterberichte und Warnungen gehen vor.

Häufige Fragen

Wie viele Seemeilen schafft man an einem Segeltag?

Mit einer Fahrtenyacht und 5 kn im Mittel rund 30 sm in sechs und 40 sm in acht Stunden; gegenan, gegen den Strom oder in der Flaute deutlich weniger. Der Mehrtagestörn von Sailseer plant als Vorgabe mit höchstens 30 sm am Tag.

Was ist ein Etmal?

Die Strecke, die ein Schiff in 24 Stunden zurücklegt, traditionell von Mittag zu Mittag gemessen. Bei 5 kn im Mittel sind das 120 sm.

Wie früh sollte ich mit der Törnplanung anfangen?

Route, Häfen, Formalitäten und Brückenzeiten Wochen vorher, das Wetter erst in der letzten Woche: grob ab fünf bis sieben Tagen, fest zwei bis drei Tage vor der Abfahrt. Sailseer vergleicht die Abfahrten der nächsten 120 Stunden.

Wie viele Reservetage brauche ich?

Plane mindestens einen Reservetag je Woche ein, in Revieren mit Starkwindlagen über mehrere Tage, etwa beim Meltemi, eher mehr. Im Mehrtagestörn von Sailseer verkürzen Reservetage die Segeltage, statt im Fahrplan zu stehen.

Wie bekomme ich die geplante Route auf meinen Plotter?

Als GPX-Datei: Sailseer schreibt GPX 1.1 für Garmin, Raymarine und B&G, im Mehrtagestörn je Tag eine Route. Umgekehrt lädst du Routen aus OpenCPN, Navionics oder dem Plotter als Strecke, mehr unter GRIB und Plotter.

Brauche ich eine Törnmeldung?

Sie ist keine Pflicht, aber ein gutes Sicherheitsnetz: Jemand an Land kennt Route und ETA und bekommt Bescheid, wenn du dich nicht meldest. In Sailseer geht die Überfällig-Mail nach 1, 2 oder 4 Stunden Karenz an bis zu drei Landkontakte.

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