Sailseer

Über Sailseer: wie die Törnplanung rechnet und woher die Daten kommen

Stand 20.10.2026 · Lesezeit 5 min

Törn planen

Kurz gesagt: Sailseer ist eine kostenlose Web-App für die Törnplanung. Hier steht, wer sie macht, welches Revier sie abdeckt, wie Vorhersage und Route entstehen und woher die Daten kommen.

Was ist Sailseer?

Sailseer ist eine kostenlose Web-App für die Törnplanung auf See und im Binnenrevier. Sie rechnet eine Route von Hafen zu Hafen durch ein Wegenetz auf Wassertiefendaten, liest für jeden Wegpunkt zur voraussichtlichen Ankunftszeit neun Wettermodelle, Seegang, Tide, Strömung und amtliche Warnungen und bewertet daraus, ob und wann sich die Fahrt lohnt. Gedacht ist Sailseer für Fahrtensegler und Motorbootfahrer mit eigenem oder gechartertem Boot, vom Tagesschlag über den Mehrtagestörn bis zur Überfahrt. Die Seite läuft im Browser unter sailseer.com, in zwölf Sprachen, und hieß bis September 2026 „Segelwetter“.

Wer Sailseer macht

Sailseer ist ein unabhängiges Projekt von Calvin Asmus aus Hamburg, ohne Werbung. Fragen, Fehler und Hinweise auf falsche Hafendaten gehen über das Kontaktformular, die Angaben zum Anbieter stehen im Impressum. Neben jeder Messstation steht außerdem der Link „Station stimmt nicht?“, über den sich unplausible Werte melden lassen.

Das Revier

Sailseer reicht von der Karibik bis Spitzbergen und vom Atlantik bis in den Indischen Ozean. Für rund 8.800 Häfen, Marinas und Anleger gibt es eine eigene Seite mit Steckbrief (Häfen und Reviere).

So entsteht die Vorhersage

Sailseer liest neun Wettermodelle: ICON des Deutschen Wetterdienstes (DWD), IFS und das KI-Modell AIFS des ECMWF, GFS der NOAA, die Modelle von Met Office und Météo-France, HARMONIE-AROME von DMI und KNMI und MET Nordic von MET Norway. Regionalmodelle zählen nur, wo und solange sie selbst rechnen; AIFS gibt keine Böen aus und zählt nur bei Wind und Richtung. Die Modellreihen kommen über Open-Meteo, dazu die Stationsvorhersage MOSMIX des DWD und in der Karibik AROME Antilles.

Je Stunde bildet Sailseer einen Konsens: den Median der Modelle, ihre Spanne und wie einig sie sind. Die Ensembles von ECMWF (51 Läufe) und ICON-D2-EPS (20 Läufe) liefern die Wahrscheinlichkeit kräftiger Böen. Die Vorhersage reicht sieben Tage, der Ausblick je Hafen zehn Tage, ab dem sechsten Tag als Tendenz.

Außerdem prüft Sailseer, welches Modell zuletzt richtig lag: Die Vorhersage vom Vortag wird mit den Messungen der nächsten Stationen verglichen. Das beste Modell liefert je Stunde den Wert des treffsichersten Modells, das zu dieser Stunde noch rechnet. Mehr im Ratgeber Wettermodelle.

So entsteht die Route

Die Route läuft durch einen Graphen aus Häfen und Wegpunkten auf dem Wasserraster von EMODnet Bathymetry (westlich von 36 Grad West aus GEBCO), auf Flüssen und Kanälen entlang der Wasserstraßen aus OpenStreetMap. In der Wetteranalyse kommt das Boot dazu:

Jede Etappe bekommt 100 Punkte minus Abzügen, etwa für Böen über der Bootsgrenze, Gegenwind, Seegang, Warnungen oder Nacht; die schwächste zählt, grün ab 70, gelb ab 45. Dieselbe Rechnung für jede volle Stunde der nächsten 120 Stunden zeigt das beste Wetterfenster.

Woher die Daten kommen

ArtQuellen
WettermodelleDWD, ECMWF, NOAA, Met Office, Météo-France, DMI, KNMI, MET Norway; über Open-Meteo und als GRIB
SeegangEWAM und GWAM des DWD, ECMWF WAM
Strömung und TideCopernicus Marine, BSH, Kartverket, NOAA
SeewetterberichteDWD, KNMI, MET Norway, AEMET, Met Office, Météo-France, IMO, DMI, DHMZ, HNMS und weitere über die WMO
WarnungenMeteoAlarm mit den Wetterdiensten Europas, MET Norway, Met Éireann, NOAA (NHC, NWS) und weitere nationale Dienste
MesswerteAmtliche Messnetze wie DWD, DMI, SMHI, FMI, MET Norway, Rijkswaterstaat, Pegelonline, Puertos del Estado, Météo-France und MeteoSchweiz, dazu IOC-Pegel, METAR und Bojen der NOAA
WassertiefeEMODnet Bathymetry, GEBCO
Häfen, Seezeichen, LeuchtfeuerOpenStreetMap, OpenSeaMap, Den danske Havnelods
Brücken und SchleusenEuRIS, ELWIS, Rijkswaterstaat FIS, Betreiber
SperrgebieteELWIS, Niord (Dänemark), Geonorge, OpenStreetMap
Radar, Satellit, BlitzeDWD, EUMETSAT, OPERA von EUMETNET, DMI, FMI
WindklimaERA5 (Copernicus, ECMWF)

Quelle und Lizenz jeder Angabe stehen in der Anwendung unter Profil, Quellen und Stand. Fällt eine Quelle aus, sagt die Seite das.

Was Sailseer kostet

Sailseer ist derzeit kostenlos und ohne Konto nutzbar: Planen, Wetter prüfen und der Fahrtmodus laufen ohne Anmeldung. Für Alarme, das Morgenbriefing und die Törnmeldung braucht es nur eine Mailadresse. Eine Android-App ist im geschlossenen Test.

Datenschutz

Sailseer zeigt keine Werbung und bindet keine Tracker oder Analysedienste Dritter ein. Boot, Favoriten und gemerkte Routen bleiben im Browser. Die Nutzung zählt der eigene Server nur als Summen je Tag, ohne Positionen, abschaltbar im Cookie-Banner und in den Einstellungen. Eine Mailadresse wird nur für Alarme, Briefings und die Törnmeldung gespeichert, solange man sie nutzt. Mehr in der Datenschutzerklärung.

Wichtiger Hinweis

Sailseer ist eine Planungshilfe und nicht zur Navigation bestimmt. Amtliche Seekarten, Seewetterberichte, Warnungen und Bekanntmachungen für Seefahrer gehen immer vor. Die Verantwortung trägt der Schiffsführer, im Notfall gilt UKW Kanal 16 oder DSC.

Begriffe wie Konsens, Kentern oder Seekartennull erklärt das Glossar.

Häufige Fragen

Was ist Sailseer?

Sailseer ist eine kostenlose Web-App für die Törnplanung. Sie rechnet Routen von Hafen zu Hafen und prüft sie gegen neun Wettermodelle, Seegang, Tide, Strömung, Brückenzeiten und amtliche Warnungen, von der Ostsee bis in die Karibik und den Indischen Ozean.

Wer steckt hinter Sailseer?

Sailseer ist ein unabhängiges Projekt von Calvin Asmus aus Hamburg. Kontakt über das Kontaktformular, die Angaben zum Anbieter stehen im Impressum.

Woher stammen die Wetterdaten?

Von den Wetterdiensten selbst: DWD, ECMWF, NOAA, Met Office, Météo-France, DMI, KNMI und MET Norway, abgerufen über Open-Meteo und als GRIB-Dateien. Strömung und Tide kommen von Copernicus Marine und dem BSH, Warnungen von MeteoAlarm und den nationalen Diensten, Messwerte aus den amtlichen Messnetzen.

Wie genau ist die Vorhersage?

Das hängt von Revier und Wetterlage ab. Sailseer zeigt deshalb, wie weit die Modelle auseinanderliegen, und vergleicht ihre Vorhersage vom Vortag mit den Messungen der nächsten Stationen. Für Gewitter kommen Blitze, Radar und eine Warnung für die nächste Stunde dazu, amtliche Warnungen gehen vor.

Ist Sailseer kostenlos?

Ja, Sailseer ist derzeit kostenlos und ohne Konto nutzbar. Nur für Alarme, das Morgenbriefing und die Törnmeldung braucht es eine Mailadresse.

Ist Sailseer ein Ersatz für die Seekarte?

Nein. Sailseer ist eine Planungshilfe und nicht zur Navigation bestimmt. Amtliche Seekarten, Seewetterberichte, Warnungen und die Bekanntmachungen für Seefahrer gehen vor, die Verantwortung liegt beim Schiffsführer.

Gibt es Sailseer als App?

Ja. Sailseer läuft im Browser auf Handy, Tablet und Laptop, auf dem iPhone auch als Web-App mit Push-Nachrichten. Die Android-App ist im geschlossenen Test und plant Strecken auch ohne Netz auf dem Gerät.

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