Sailseer

Wann reffen? Segeln bei Starkwind

Stand 07.10.2026 · Lesezeit 4 min

Törn planen

Kurz gesagt: Reffe, sobald du zum ersten Mal daran denkst: Fahrtenyachten von 30 bis 36 Fuß etwa ab 15 bis 18 kn, bei starker Krängung, Luvgierigkeit oder Böen früher.

Reffen solltest du, sobald du zum ersten Mal daran denkst, am besten schon vor dem Ablegen. Deutliche Zeichen sind starke Krängung, Luvgierigkeit und schwerer Ruderdruck. Als Richtwert reffen Fahrtenyachten von 30 bis 36 Fuß zum ersten Mal bei etwa 15 bis 18 Knoten wahrem Wind (4 bis 5 Bft), bei böigem Wind früher.

Warum heißt die Faustregel „früh reffen“?

Weil Reffen bei wenig Wind einfach ist und bei viel Wind schwer. Ein gerefftes Boot segelt bei Starkwind oft sogar schneller, weil es aufrechter läuft und weniger Ruder braucht.

Ausreffen geht jederzeit schnell, Einreffen bei 25 kn auf nassem, schwankendem Deck dagegen nicht. Binde das Reff deshalb im Hafen oder in Lee einer Insel ein, nicht erst in der ersten harten Böe draußen.

Woran erkennst du, dass es Zeit zum Reffen ist?

Am Boot selbst: es krängt stark, wird luvgierig und will in den Wind schießen, das Ruder wird schwer. Draußen kündigen Schaumköpfe, dunkle Böenstriche auf dem Wasser und Schauerwolken mehr Wind an.

Ab welcher Windstärke reffen? Richtwerte je Bootsgröße

Die Tabelle gibt Richtwerte für den wahren Wind auf Am-Wind-Kursen. Raumschots trägt das Boot etwas länger mehr Tuch. Maßgeblich sind das Handbuch deines Boots, die Segel und deine eigene Erfahrung.

Boot1. Reff2. Reff3. Reff oder Sturmbesegelung
Jolle, Kleinkreuzer bis 25 Fußetwa 12 bis 15 kn (4 Bft)etwa 16 bis 20 kn (4 bis 5 Bft)ab etwa 20 kn besser im Hafen
Fahrtenyacht 30 bis 36 Fußetwa 15 bis 18 kn (4 bis 5 Bft)etwa 20 bis 24 kn (5 bis 6 Bft)etwa 25 bis 30 kn (6 bis 7 Bft)
Fahrtenyacht ab 40 Fußetwa 18 bis 21 kn (5 Bft)etwa 22 bis 27 kn (6 Bft)etwa 28 bis 33 kn (7 Bft)

Meist reffst du zuerst das Großsegel, weil es die Luvgierigkeit treibt, und rollst die Genua passend ein, damit das Boot ausgewogen bleibt. Eine weit eingerollte Genua steht schlecht; ab dem zweiten Reff ist eine Fock oder Sturmfock besser.

Wie bereitest du dich auf Starkwind vor?

Reff einbinden, bevor es nötig ist, Sicherheitsausrüstung anlegen, das Schiff seefest machen und einen Ausweichhafen kennen. Bei Starkwind entscheidet die Vorbereitung im Hafen mehr als das Können draußen.

  1. Vorhersage, Seewetterbericht und Warnungen prüfen, dabei Böen und Welle, nicht nur den Mittelwind.
  2. Reffleinen klarieren, Sturmfock griffbereit legen.
  3. Rettungswesten und Lifebelts anlegen, Strecktaue an Deck spannen.
  4. Unter Deck alles verstauen, Luken schließen, etwas Warmes vorkochen.
  5. Ausweichhäfen kennen, die auch bei auflandigem Wind sicher anzulaufen sind.
  6. Kaps, Seegatts und Stellen mit Wind gegen Strom nicht in die stärkste Phase legen.

Was ist Beidrehen und wann hilft es?

Beidrehen heißt, das Boot mit back stehendem Vorsegel und gerefftem Großsegel so zu legen, dass es ruhig mit etwa 45 bis 60 Grad zum Wind liegt und langsam nach Lee treibt. So gewinnst du Ruhe zum Reffen, Essen, Navigieren oder Abwettern.

Du wendest, ohne die Vorschot zu lösen, fierst das Groß etwas und legst das Ruder so fest, dass das Boot anluven will (Pinne nach Lee, Rad nach Luv). Dafür brauchst du freien Seeraum in Lee. Übe das Manöver bei mäßigem Wind, bevor du es brauchst.

Wann bleibst du besser im Hafen?

Wenn die Böen über der Grenze von Boot oder Crew liegen, eine Sturm- oder Gewitterwarnung gilt, starker Wind auflandig auf eine Küste ohne sicheren Hafen steht oder die Crew müde, seekrank oder unerfahren ist. Ein Hafentag kostet nichts.

Besonders heikel sind Hafeneinfahrten mit Brandung, Seegatts bei Wind gegen Strom und Reviere mit Fallböen wie unter der Bora oder dem Meltemi. Die Windstärken im Überblick stehen im Ratgeber Windstärken und Beaufort.

Wie hilft Sailseer beim Reffen?

Sailseer schlägt für jede Etappe eine Segelwahl vor, gerechnet aus der Böe und dem Kurs zum Wind. Für eine Fahrtenyacht von 30 bis 36 Fuß heißt das am Wind: erstes Reff bei Böen über 16 kn, zweites über 22 kn, drittes Reff mit Sturmfock über 28 kn, über 34 kn nicht auslaufen; kleine Boote früher, große später. Die Bewertung prüft die Böen gegen die Grenze deines Boots, und der Windalarm meldet per Mail oder Push, wenn an deinem Hafen Böen über deiner Schwelle vorhergesagt sind. Route mit Segelwahl planen. Amtliche Warnungen und Seewetterberichte gehen vor.

Häufige Fragen

Ab wie viel Knoten sollte man reffen?

Als Richtwert reffen Fahrtenyachten von 30 bis 36 Fuß zum ersten Mal bei etwa 15 bis 18 kn wahrem Wind, zum zweiten Mal bei etwa 20 bis 24 kn. Kleinere Boote reffen früher, größere später; das Handbuch des Boots geht vor.

Reffen am Wind oder vor dem Wind?

Das Großsegel reffst du am leichtesten, wenn der Wind von vorn bis halb kommt, etwa beigedreht. Vor dem Wind drückt der Wind das Segel gegen Wanten und Salinge. Reffe deshalb, bevor du auf einen langen raumen Kurs abfällst.

Was ist Luvgierigkeit?

Das Boot will von selbst anluven, also in den Wind drehen, und du musst mit dem Ruder dagegenhalten. Etwas Luvgierigkeit ist gewollt; wird sie stark, ist zu viel Großsegel oben und es ist Zeit zu reffen.

Großsegel oder Vorsegel zuerst reffen?

Meist zuerst das Großsegel, weil es die Luvgierigkeit treibt, danach das Vorsegel passend verkleinern. Auf Booten mit kleinem Groß und großer Genua kann es umgekehrt sein; das Handbuch sagt es.

Was ist der Unterschied zwischen Beidrehen und Beiliegen?

Beidrehen ist das Manöver, Beiliegen der Zustand danach: das Boot liegt mit back stehendem Vorsegel ruhig zum Wind und treibt langsam nach Lee. So lässt sich auch bei Starkwind in Ruhe reffen.

Wann sollte man ausreffen?

Wenn der Wind länger, nicht nur zwischen zwei Böen, unter dem Richtwert bleibt und die Vorhersage nichts Stärkeres mehr bringt. Im Zweifel bleibt das Reff drin: etwas weniger Fahrt ist billiger als ein Sonnenschuss.

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